Laktoseintoleranz- eine erweiterte Sichtweise

Laktoseintoleranz - Was geschieht im Körper?
Wer laktoseintolerant ist, leidet in den meisten Fällen fast unmittelbar nach dem Genuss von Milchprodukten unter starken Verdauungsbeschwerden. Magen- und Bauchkrämpfe, extreme Blähungen und Durchfallattacken gehören anschließend zu typischen Symptomen. Das Problem bei der Laktoseintoleranz ist der unverdauliche Milchzucker – die Laktose. Sie ist in fast jedem Milchprodukt in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten. Bei gesunden Menschen bilden die Zellen der Dünndarmschleimhaut ein spezielles Enzym – die Laktase. Die Laktase spaltet den Milchzucker in seine Einzelteile auf, die dann ohne Probleme resorbiert (aufgenommen) werden können. Zu Verdauungsproblemen kommt es hierbei nicht.

Wie kommt es zu den typischen Symptomen?
Bei Laktoseintoleranz gelangt der Milchzucker unverdaut vom Dünndarm in den Dickdarm, sehr zur Freude der dort ansässigen Bakterien, die sich sogleich auf die Laktose stürzen. Es kommt zu Gärungsprozessen, in deren Folge Gase entstehen. Diese Gase blähen den Bauch auf und führen zu starken, krampfartigen, schmerzhaften Blähungen. Nicht aufgespaltene Laktose hat zudem die Eigenschaft, Wasser zu binden. Daher strömt vermehrt Wasser aus dem Gewebe in den Dickdarm hinein. Der Darm füllt sich rasch mit Flüssigkeit und der Stuhl wird immer flüssiger. Zusätzlich entstehen bei der bakteriellen Zersetzung der Laktose organische Säuren wie Milch- und Essigsäure, die eine starke Beschleunigung der Darmperistaltik (Darmbewegungen) bewirken. Alle drei Faktoren zusammen– Blähungen, viel flüssiger Stuhl, beschleunigte Darmperistaltik – erhöhen den Druck im Darm. Es kommt zu Krämpfen und Durchfallattacken. Begleitet werden diese Symptome oft von allgemeinen Verwertungsstörungen, die sich durch Gewichtsverlust, Wassereinlagerungen des Gewebes, Blutungsneigung, Anämie, Krämpfe, Schwäche, migräneartige Kopfschmerzen, Hautprobleme oder gestörte Menstruation äußern können.

Wichtige Zusammenhänge: Schleimhaut-Bakterien-Medikamente
Ein gestörtes Darmmilieu kann Nahrungsmittelunverträglichkeiten imitieren. Verursacher sind hierbei wiederholte Antibiotika-Therapien, Langzeit-Schmerzmitteleinnahmen (unabhängig vom Magenschutz!), Stress, Ernährung oder auch Infektionskrankheiten des Darms, die die Besiedelung der Darmschleimhaut mit Bakterien in ein Ungleichgewicht geraten lassen. Die physiologisch vorkommenden Darmbakterien leben in einem ausgewogenen Gleichgewicht; gerät dies durcheinander, können Verdauung und Darmschleimhaut leiden. Außerdem verbreiten sich Eindringlinge (wie Pilze) ungehindert, nehmen gegebenenfalls überhand und führen zu weiteren Blähungen, Juckreiz und Brennen an Haut und Schleimhaut. Langfristig entzündet sich das System. Verlaufen solche Entzündungen chronisch, nimmt die Darmschleimhaut Schaden und wird durchlässig. Auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, Nahrungsunverträglichkeiten wie Zöliakie oder die Laktoseintoleranz reizen und schädigen die Darmschleimhaut. Vereinfacht gesagt wird diese löchrig. Unverdaute Nahrungsbestandteile, Toxine und Stoffwechselprodukte gelangen durch die geschädigte Darmschleimhaut in den Blutkreislauf und rufen hier wiederum Entzündungen hervor, die mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern einhergehen können.

Kann sich Laktoseintoleranz zurückbilden?
Eine Laktoseintoleranz, die aufgrund eines Infektes, Stress oder einer Arzneimittelanwendung auftritt, kann sich dann wieder legen, wenn es den Darmschleimhautzellen gelingt, sich zu regenerieren. In diesem Fall treten die Unverträglichkeitssymptome einige Tage bis Wochen auf, gehen dann aber wieder zurück – manchmal auch, ohne dass der Betroffene Maßnahmen ergreifen müsste.
Bei vielen Menschen klappt das jedoch nicht. Die Darmflora bleibt gestört und wird von schädlichen Mikroorganismen dominiert. Die Darmschleimhaut ist nach wie vor irritiert; die Schleimhautzellen finden nicht in ihre gewohnten Tätigkeiten zurück, bilden also einfach nicht mehr ausreichend Verdauungsenzyme (z.B. Laktase). Die Laktoseintoleranz bleibt daher bestehen. Was an dieser Stelle helfen kann, ist neben angepasster Ernährung, ein ‚Darmaufbau‘, das heißt die Regulation des entrückten bakteriellen Darmmilieus. Leider reicht häufig das Meiden von Laktose, Fructose etc. nicht mehr aus, um bestehende Symptome zu lindern.


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