Schröpfen
Durchblutung, Durchblutung und nochmals Durchblutung…

Muskelverspannungen kommen am häufigsten am Rücken und im Schulter-Nackenbereich vor. Sie verursachen meist Schmerzen und schränken die Bewegung ein. Die beanspruchten Muskeln sind einer Dauerbelastung ausgesetzt. Dadurch kann der betroffene Muskel nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden, da ein angespannter Muskel schlechter durchblutet wird. Durch den Sauerstoffmangel kommt es zu Stoffwechselstörungen in den Muskelzellen. Der anaerobe Stoffwechsel (=Stoffwechsel ohne Sauerstoff) verursacht eine Anhäufung von Milchsäure (=Lactat) im Muskelgewebe. Diese dauerhafte Anhäufung von Lactat führt zu der schmerzhaften Muskelverhärtung (Myogelose). Abhilfe können durchblutungsfördernde Therapien  (klassische Massage und Schröpfen) leisten. Therapiemethode der Wahl ist somit ganz allgemein eine Durchblutungsanregung.

Schröpfen
Das Schröpfen ist nur eine Therapie vieler ‚alter’ Verfahren der Naturheilkunde. Schröpfen mit Schröpfköpfen fand schon 3300 v. Chr. in Mesopotamien und durch griechische und ägyptische Ärzte im klassischen Altertum Anwendung und war in ähnlicher Form schon bei den Chinesen im Rahmen der ‚Traditionellen Chinesischen Medizin’ bekannt. Die theoretische Grundlage in der Antike war die Humoralpathologie, die Erkrankungen auf eine Entmischung der ‚Körpersäfte’ (Humores) im Körperinneren zurückführte. Diese Säfte sollten mit Schröpfköpfen wieder ausgeglichen werden. In der chinesischen Medizin ging man von einer Stagnation von Blut und dem Qi (Lebensenergie) aus. Unabhängig von der europäischen Entwicklung haben Schamanen vieler indigener Völker ähnliche Krankheitstheorien entwickelt. Sie praktizieren das Aussaugen böser Geister und Miasmen (angeborene Krankheitsveranlagungen) bis heute. Das Schröpfen wird innerhalb der Naturheilkunde gerne zur Kategorie der ‚Ausleitenden Therapien’ gezählt. Hierzu gehören auch der Aderlass und die Therapie mit Blutegeln. Fachlich korrekt ist es nur, das ‚blutige Schröpfen’ in die Gruppe der ‚Ausleitenden Therapien’ einzuordnen. Allerdings muss nicht jede Schröpf-therapie ‚blutig’ verlaufen und somit gehört die unblutige Therapie (streng genommen) auch nicht zu den ‚Ausleitenden Techniken’. Allein innerhalb der Schröpftherapie gibt es verschiede Methoden, die je nach Störung des Patienten individuell eingesetzt werden.

Was heißt ‚Ausleitung’ oder ‚Ableitung’
Es handelt sich bei beiden Begriffen um ein und dieselbe Methode im Rahmen einer speziellen naturheilkundlichen Therapie. Ausleitende Verfahren sind Behandlungsmethoden in der Alternativmedizin, die der ‚Entgiftung’ und ‚Entlastung’ der Körpersäfte dienen sollen. Dazu gehören:
• Aderlass 
• Blutegeltherapie 
• Baunscheidtieren 
• Cantharidenpflaster
• Wickel 
• Schwitzkuren 
• Basische Bäder 
• Ausleitung über den Darm: Brechmittel, Abführmittel
• Ausleitung über den Urin: Diuretika (harntreibende Mittel), Trinkkuren 

Methode des Schröpfens
Beim Schröpfen wird in Schröpfgläsern oder Schröpfköpfen ein Unterdruck erzeugt und diese direkt auf die Haut aufgesetzt. Der Unterdruck wird üblicherweise dadurch erreicht, dass die Luft im Schröpfkopf erhitzt und dieser sofort auf die Haut des Patienten gesetzt wird (das Glas hat dabei keine Zeit warm zu werden!). Alternativ kann der Unterdruck durch eine Absaugvorrichtung (Saugball) am Schröpfglas erzeugt werden. Ganz allgemein kann man zwischen zwei verschiedenen Denkansätzen der Schröpftherapie unterscheiden. Beiden Denkansätzen liegt zunächst das Ziel einer Durchblutungssteigerung zu Grunde. Zusätzlich zur durchblutungssteigernden Massage an Verspannungen kann noch die Reflexzonentherapie (z. B. am Rücken) hinzugerechnet werden. 

Reflexzonen am Rücken Bei muskulären Verhärtungen richtet sich die Lage der Schröpfstellen nach dem Tastbefund,
d. h. es wird im Bereich von Myogelosen (verhärteten Muskeln) geschröpft. Je nach ausgewählter Reflexzone, kann aber auch über das Schröpfen der Haut ein Reiz auf innere Organe übertragen werden (‚kutiviszeraler Reiz’).


Wirkung und Anwendung Die Wirkung beruht ganz allgemein auf einer starken Durchblutungsanregung. Folge ist eine Lockerung von verspannter Muskulatur. Gleichzeitig schreibt die Naturheilkunde dieser Behandlung einen anstoßenden Reiz zum Abbau von Ablagerungen zu. Schröpfen ist bei einer Vielzahl von Beschwerden hilfreich, unter anderem bei Migräne, Rheuma, Bandscheibenproblemen, Hexenschuss, Knieproblemen, Karpaltunnelsyndrom, Bluthochdruck, Ischiasbeschwerden, Bronchitis, Asthma, Kopfschmerzen, Nierenschwäche, Wetterfühligkeit, Hypotonie, Müdigkeit, Depressionen, Schwächezuständen, Verdauungsproblemen etc. 
Bitte beachten:  Die Betonung liegt auf ‚hilfreich’. Das klassische Einsatzgebiet des Schröpfens liegt auf dem Gebiet der Verspannungen (z. B. des Schulter-/Nackenbereiches) und einem Muskelhartspann. Bei chronischen Beschwerden wie einer Migräne kann die Schröpftherapie begleitend wirksam sein. Hat die Migräne einen Zyklus bedingten Ursprung oder sind die Ursachen in der Ernährung zu suchen, ist die Aussicht auf einen Therapieerfolg ‚nur’ durch eine Schröpftherapie verschwindend gering. Allem voran steht auch hier die Ursachenklärung und Befragung des Patienten. Bei entzündlichen Reaktionen, wie z. B. einer aktivierten Arthrose (Arthritis) hat die Schröpftherapie nichts zu suchen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder einem Heilpraktiker beraten, ob diese Therapie für Sie in Frage kommt. 


Gegenanzeigen  Bei akuten Entzündungen sowie ansteckenden oder allergischen Hautveränderungen dürfen die erkrankten Stellen nicht behandelt werden. Auch bei Cortison bedingten Hautveränderungen (Verlust der Hautelastizität und sehr dünner Haut) soll nicht geschröpft werden. Bei einer radioaktiven Bestrahlung sollen die entsprechenden Haut- und Organbereiche nicht gereizt werden.  Bei fiebrigen Erkrankungen und einer Neigung zu Wassereinlagerungen im Gewebe mit generalisierten Ödemen (Wasseransammlungen im Körper), ist die Therapie nicht geeignet. Liegt eine erhöhte Blutungsneigung vor wie bei einer Bluterkrankheit (Hämophilie) oder der Behandlung mit Blutverdünnern (Marcumar),
ist eine Schröpfbehandlung gefährlich. Schwangere sollten ab dem vierten Schwangerschaftsmonat auf eine Schröpfbehandlung verzichten.


Myogelosen
Als Myogelose bezeichnet man eine lokal begrenzte, tastbare, meist druckschmerzhafte Verhärtung eines Muskels,
die auch unter Narkose tastbar bleibt (im Gegensatz zum Hartspann nach z. B. Bandscheibenvorfällen oder Hexenschuss). Sie ist ein häufiger Befund bei chronischen Schmerzzuständen in vielen Bereichen der Medizin.
Im Zentrum einer Myogelose besteht ein Sauerstoffmangel. Man unterscheidet zwischen kalten und heißen Myogelosen wobei bei letzterem noch eine Entzündung im Muskelgewebe besteht. Infolge dauerhafter Beanspruchung (Anspannung) bestimmter Muskelpartien (Sport, Beruf) vergrößert sich der Raumbedarf der Muskelzellen, welches nicht automatisch mit einer Durchblutungssteigerung einhergeht. ‚Die Muskulatur schneidet sich die Anbindung an eine gute Durchblutung sozusagen selber ab’. Außerdem geht die Naturheilkunde von einer lokalen Anhäufung saurer Muskelstoffwechselprodukte aus, die aufgrund der reduzierten Stoffwechselsituation innerhalb des Muskels schlechter abtransportiert werden können, so dass dies langfristig zu Einlagerungen und Verhärtungen führt. 


Schröpf-Techniken

Schröpfkopfmassage
Bei der Schröpfkopfmassage wird das Schröpfglas auf unversehrte Hautstellen gesetzt, die zuvor eingeölt wurden.
Der Schröpfkopf wird dann über eine bestimmte Stelle verschoben, was eine stärker durchblutungsfördernde und damit gewebslockernde Wirkung hat, als eine klassisch manuelle Massage.


Trockenes Schröpfen
Beim ‚trockenes’ Schröpfen handelt es sich um die bekannteste Art des Schröpfens. Die Schröpfköpfe werden mit Unterdruck auf die (Myo-) Gelosen oder Reflexzonen aufgesetzt, und dadurch die Durchblutung in dem verhärtetem Muskelbereich oder der Reflexzone angeregt.

Blutiges Schröpfen
Beim ‚blutigen’- bzw. ‚nassen’ Schröpfen wird, bevor der Schröpfkopf mit Unterdruck aufgesetzt wird, die Haut angeritzt. Der Unterdruck zieht dann das Blut verstärkt durch die Verletzungen heraus und entlastet die lokale entzündliche Reaktion. Hierbei handelt es sich um eine Form des ‚Ablassens einer Stauungssymptomatik’, einer Ausleitung oder auch Ableitung. Das blutige Schröpfen kommt zum Einsatz bei ‚Heißen Gelosen’, bei denen ein trockenes Schröpfen zu einer Verstärkung und damit Verschlimmerung der Symptome führen würde. Beim blutigen Schröpfen steht eine ‚Entstauung’ innerhalb des Gewebes im Vordergrund, die Blut- und Lymphfluss nachhaltig verbessert. 

zurück zur Homepage!